Loom Frankfurt: was in Deutschland bleibt und was die EU verlässt
Steffen Rosenögger, Gründer von CapmeVeröffentlicht am 5. November 2026
Loom Frankfurt: Videos und Transkripte bleiben in Deutschland, Anmeldung und Kontodaten nicht. Wer die Region bekommt und was der Atlassian-AVV regelt.

Kurz gefasst
- Ein bestehender Loom-Workspace lässt sich Stand November 2026 nicht auf Frankfurt umstellen, und seine Videos ziehen nicht in einen neuen um.
- Vertragspartner für Loom ist die Loom, Inc., eine US-Tochter von Atlassian. Auch einen Workspace in Frankfurt betreibt also ein Unternehmen, das US-Recht unterliegt.
- Neue Unterauftragsverarbeiter kündigt Atlassian nur an E-Mail-Adressen an, die das abonniert haben. Das Postfach des Datenschutzbeauftragten gehört auf diese Liste.
Loom Frankfurt ist die deutsche Region für Datenresidenz, die Atlassian im Mai 2026 eingeführt hat: Videos, Kommentare, Transkripte und KI-Ergebnisse eines neuen Workspaces bleiben dort. Anmeldung, Nutzereinstellungen, Mitgliedschaft, Audit-Log-IDs und Benachrichtigungen verarbeitet Loom global, und mehrere Unterauftragsverarbeiter sitzen in den USA. Die Region lässt sich nur beim Anlegen wählen. Ob dein Loom die DSGVO einhält, entscheiden außerdem Tarif, Einstellungen und der Atlassian-AVV.
Was bleibt bei Loom Frankfurt in Deutschland?
Loom Frankfurt hält die Inhalte eines neuen Workspaces in Deutschland, einige Daten verlassen die EU aber weiterhin. Auf Atlassians Seite zur Datenresidenz heißt es: „Loom does not export or process raw customer content (video, audio, or transcript payloads) outside your selected region for normal product operation.“ (übersetzt: Rohe Kundeninhalte verlassen die gewählte Region im normalen Betrieb nicht.) Welche Unterauftragsverarbeiter trotzdem Inhalte aus einem Workspace in Frankfurt bekommen, bleibt offen; danach fragt Frage 1 in der Vorlage unten.
| Daten oder Dienst | Wo |
|---|---|
| Videos, Kommentare, Transkripte, KI-Zusammenfassungen und -Dokumente, Workspace-Einstellungen | Frankfurt (gehostet bei AWS) |
| Anmeldung, Sitzungen, Nutzereinstellungen, Mitgliedschaft in der Organisation | Global, ohne genannte Region |
| Audit-Logs (nur IDs), Benachrichtigungen, Verlauf, Watch Later | Global, ohne genannte Region |
| Transkription (Speechmatics) | USA laut Liste; ob für Workspaces in Frankfurt, steht dort nicht |
| E-Mail- und Mobil-Benachrichtigungen (Mailchimp, OneSignal), Analyse (Twilio Segment), Support (Zendesk) | USA |
| Support (PartnerHero) | Philippinen, Rumänien, Südafrika |
| Loom AI (OpenAI), maschinelles Lernen (Databricks) | USA |
Gespeicherte KI-Ergebnisse liegen in Frankfurt. Ob OpenAI die Aufnahme dafür in den USA verarbeitet, sagt keine der beiden Seiten; das deckt Frage 1 unten ab.
Was weiterhin in die USA geht, stützt sich auf das EU-US Data Privacy Framework und auf Standardvertragsklauseln. Das Gericht der EU hat den Rahmen im September 2025 bestätigt; das Rechtsmittel C-703/25 P war im November 2026 beim Gerichtshof noch anhängig (für jeden US-Anbieter: DSGVO-Leitfaden für Videonachrichten).
Die Region bestimmt, wo Inhalte liegen; das Herkunftsland des Betreibers bestimmt, welche Gesetze den Zugriff darauf erlauben können. Atlassians Datenschutzerklärung führt die Loom, Inc. unter den US-Tochtergesellschaften, und Atlassians Transfer-Folgenabschätzung, aktualisiert am 30. November 2024, nennt FISA Section 702 und die Executive Order 12333 und verweist auf den CLOUD Act. Wir meinen, deine eigene Bewertung sollte auch den Workspace in Frankfurt abdecken, weil sich diese Gesetze an das Unternehmen richten, das ihn betreibt.
Wer bekommt Loom Frankfurt, und wie stellst du es ein?
Loom Frankfurt gibt es nur für neue Workspaces; einen Tarif nennt Atlassian dafür nicht. Die Verfügbarkeitstabelle auf der Seite zur Datenresidenz, gelesen am 1. November 2026, hat diese Zeilen:
- Neue Kunden, die Loom als eigene Site anlegen: ja, die Region wird beim Einrichten gewählt.
- Bestehende Jira- oder Confluence-Kunden, die einen neuen Loom-Workspace anlegen: ja, über Atlassian Administration.
- Bestehende Loom-Workspaces: nein; eine Migration ist für eine spätere Version geplant, und Videos lassen sich nicht in einen neuen Workspace mit Datenresidenz verschieben.
Ein Admin wählt die Region beim Anlegen des Workspaces im Feld „Select data location“; danach zeigt Data management, Data residency die festgelegte Region. Stand November 2026 lässt sie sich später nicht ändern. Ein Unternehmen, das Loom seit 2023 nutzt, fängt in Frankfurt leer an. Enthalten die alten Videos personenbezogene Daten, die du aufbewahren musst, behältst du den alten Workspace und dokumentierst seine Übermittlungen. Sind sie kurzlebig, nimmst du neue Videos in Frankfurt auf und löschst den alten Workspace, sobald niemand sie mehr braucht.
Welcher Atlassian-AVV gilt für Loom, und wer ist Auftragsverarbeiter?
Für ein Unternehmen, das Loom nutzt, ist Atlassian der Auftragsverarbeiter. Das Atlassian Data Processing Addendum, gültig ab 17. August 2026, bezeichnet Atlassian als Auftragsverarbeiter oder Unterauftragsverarbeiter für Kundendaten und wird mit dem Atlassian Customer Agreement Vertragsbestandteil. Atlassian hat im April 2024 angekündigt, dass dieser Vertrag für Loom-Kunden ab der nächsten Bestellung, der Verlängerung oder dem 1. Mai 2024 gilt, je nachdem, was zuerst kam. Die Produktbedingungen mit Stand 1. Oktober 2026 nennen die Loom, Inc. als Vertragspartner für Loom, und für Kunden mit Sitz in Europa gilt das Customer Agreement nach irischem Recht.
Leg die aktuelle Atlassian-Fassung anstelle eines früheren Loom-AVV ab (inzwischen archiviert). Der Text gilt für alle Cloud-Produkte von Atlassian. Prüf deshalb anhand von Art. 28 Abs. 3 DSGVO und dem Kurzpapier Nr. 13 der Datenschutzkonferenz, ob seine Beschreibungen Aufnahmen, Transkripte und KI-Ergebnisse abdecken.
Was prüft der Datenschutzbeauftragte bei Loom, Zeile für Zeile?
Eine Prüfung von Loom umfasst zehn Punkte, und zu jedem gibt es ein öffentliches Dokument von Atlassian. Die Tabelle gibt dessen Antwort wieder und was du damit machst.
| Prüfpunkt | Was Atlassians Dokument sagt | Was du tust |
|---|---|---|
| AVV | AVV gültig ab 17. August 2026, Teil des Customer Agreements, ohne Unterschrift | Diese Fassung mit Datum ablegen |
| Neue Unterauftragsverarbeiter | AVV: Ankündigung mindestens 30 Tage vorher an abonnierte E-Mail-Adressen; ein Widerspruch führt zur Kündigung der Bestellung | Postfach des Datenschutzbeauftragten eintragen |
| Übermittlung in die USA | AVV: EU-Standardvertragsklauseln, Modul 2 (Modul 3, wenn du selbst Auftragsverarbeiter bist); Atlassian unter dem Data Privacy Framework zertifiziert; eine Transfer-Folgenabschätzung ist veröffentlicht | Die Folgenabschätzung zur Akte nehmen |
| KI-Funktionen | KI-Einstellungen: in Business+AI und Enterprise standardmäßig an; ein Admin kann sie für alle abschalten | Vor dem Rollout entscheiden |
| Aufbewahrung | Löschregeln: nur in Enterprise und Business+AI, in von Atlassian verwalteten Workspaces; gezählt ab Erstellung, das Löschen ist endgültig | In anderen Tarifen eine manuelle Löschroutine festlegen; wie lange Aufnahmen bleiben dürfen |
| Löschen | Seite zum Löschen: Löscht der Eigentümer, ist das Video sofort und dauerhaft weg; der Support kann nichts wiederherstellen | Festlegen, wer Löschanträge bearbeitet |
| Öffentliche Links | Datenschutzeinstellungen: Standard ist öffentlich, bis ein Admin das ändert; Einschränkungen, wer öffentlich teilen darf, nur in Enterprise und Business+AI | Standard auf „nur Workspace“ stellen |
| Aktivitätsprotokoll | Aktivitätsprotokolle: Business, Business+AI, Enterprise; Anmeldungen, gelöschte Videos und weitere Aktionen, als CSV exportierbar | Festlegen, wer es liest und wie lange Exporte bleiben |
| Sicherheit und Zertifikate | Sicherheitsmaßnahmen: AES-256 im Ruhezustand, TLS 1.2 oder höher; Loom unter den Produkten auf der Seite zu ISO/IEC 27001:2022; ein SOC-2-Type-II-Bericht zu Loom gelistet | SOC-2-Bericht anfordern |
| Meldung von Datenpannen | AVV: unverzüglich und, wo möglich, innerhalb von 72 Stunden | Einplanen, dass deine eigenen 72 Stunden nach Art. 33 parallel laufen |
Über drei Zeilen entscheidet der Tarif: Automatisches Löschen und Grenzen für öffentliches Teilen gibt es in Business+AI (auf Atlassians Seite zu den Datenschutzeinstellungen Premium genannt) oder Enterprise, und dort ist die KI standardmäßig an; das Aktivitätsprotokoll gibt es ab Business.
Für eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO wägst du Bildschirmaufnahmen ab, die alles zeigen, was offen war, dazu Loom AI und das Aktivitätsprotokoll pro Nutzer.
Wie beantwortet Capme dieselbe Checkliste?
Capme Meetings, die Meeting-Plattform gegen Status-Meetings (Zuschauer sind in Firmenplänen kostenlos), beantwortet mehrere Zeilen anders, und der Speicher in der EU gehört nicht mehr zu den Unterschieden, seit auch Loom Frankfurt anbietet. Stand November 2026 im Code von Capme geprüft: Der AVV nach den Klauseln der Kommission gemäß Art. 28 Abs. 7 DSGVO wird per Häkchen angenommen, wenn eine Testphase oder ein Plan beginnt. Der AVV von Capme nennt 6 Unterauftragsverarbeiter, 2 davon mit Übermittlung außerhalb des EWR.
| Prüfpunkt | Loom | Capme |
|---|---|---|
| Vertragspartner | Loom, Inc. (USA); irisches Recht für Kunden in Europa | Capme Digital GmbH, Düsseldorf |
| Speicherort der Videos | Frankfurt oder Oregon, nur neue Workspaces; Kontodaten global | Deutschland und Schweden (Bunny.net), weltweit ausgeliefert; eigener S3-Bucket im Business-Plan |
| Transkription und KI | Transkripte über Speechmatics; KI in Business+AI und Enterprise standardmäßig an | Keine: Capme transkribiert und fasst nicht zusammen |
| Öffentliche Links | Standardmäßig öffentlich, bis ein Admin das ändert | Aus, wenn ein Firmen-Workspace angelegt wird |
| Eigene Aufbewahrungsfrist | Business+AI und Enterprise, von Atlassian verwaltete Workspaces | Solo und Business, 1 bis 365 Tage; Team bleibt bei 365 |
| SOC 2, ISO 27001 | SOC-2-Type-II-Bericht gelistet; auf Atlassians Seite zu ISO 27001 | Keines von beiden; noch kein unabhängiger Penetrationstest |
Ein Admin richtet einen Business-Workspace vor dem ersten Meeting in vier Schritten ein, am besten mit dem Datenschutzbeauftragten. Im Team-Plan gilt nur Schritt 2: Das Fenster bleibt bei 365 Tagen, und Audit-Export und eigener Bucket sind Funktionen von Business.
- Unter Admin, Aufnehmen und Teilen, bei „Wie lange bleibt eine Aufnahme?“: das Fenster von 365 Tagen etwa auf 90 verkürzen. Es gilt für Aufnahmen ab diesem Zeitpunkt, und ein als behalten markiertes Video bleibt, bis jemand es löscht.
- Auf demselben Tab bleiben Öffentliche Links auf Aus; so startet jeder Firmen-Workspace, und nichts öffnet sich ohne Anmeldung.
- Unter Admin, Daten das Audit-Log bei Bedarf als CSV herunterladen; Einträge werden nach 365 Tagen gelöscht.
- Wahlweise, ebenfalls unter Daten, den eigenen S3-Bucket verbinden: Aufnahmen gehen direkt aus dem Browser dorthin, Capme hält die Videodatei nie (nur das Vorschaubild läuft durch), und eine Lifecycle-Regel am Bucket regelt, wie lange sie bleiben.
Verlangt deine Richtlinie einen SOC-2-Bericht vom Anbieter, besteht Loom diese Zeile und Capme nicht. Die Unterlagen von Capme liegen im Trust Center.
Was solltest du Atlassian fragen, bevor du Loom freigibst?
Auf sechs Fragen geben Atlassians veröffentlichte Dokumente keine Antwort. Schick sie schriftlich und leg die Antworten zur Prüfung; die sechs allgemeinen Fragen an jeden Video-Anbieter decken den Rest ab.
Am genauesten würden wir Frage 5 lesen. Der AVV erlaubt Atlassian, Daten im Rahmen seiner üblichen Richtlinien für Backups und Aufbewahrung zu behalten, und nennt keine Frist. Nennt Atlassian eine, gehört sie in deinen Nachweis zur Löschung.
Häufig gestellte Fragen
- Braucht die Einführung von Loom den Betriebsrat?
- In der Regel ja. Looms Aktivitätsprotokoll erfasst Anmeldungen und Löschungen pro Nutzer und kann damit Verhalten überwachen, und genau das erfasst § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Unser Leitfaden zu Betriebsrat und Video-Tools behandelt die Vereinbarung.