Ratgeber

Video und DSGVO: Speicherort, AVV, Löschung

Steffen Rosenögger, Gründer von CapmeAktualisiert am 1. November 2026

Video DSGVO-konform nutzen: wo Videos gespeichert werden, was in den AVV gehört und wann gelöscht wird. Dazu sechs Fragen an Anbieter zum Kopieren.

Der Capme-Recorder mit Bildschirmfreigabe, Kamera und Mikrofonpegel vor einer Aufnahme
Alles, was eine Aufnahme erfasst, ist vor dem Start sichtbar. Wohin sie danach geht, entscheidet den Großteil der Compliance-Frage.

Kurz gefasst

  • Stell jedem Anbieter sechs Fragen schriftlich; am meisten verrät die Antwort zum Löschen.
  • Capme veröffentlicht AVV, Unterauftragsverarbeiter und Maßnahmen, hat aber kein eigenes ISO 27001 oder SOC 2.

Videos im Unternehmen sind DSGVO-konform, wenn drei Fragen geklärt sind: wo das Video gespeichert wird, ob mit dem Anbieter ein AVV besteht und wann die Aufnahme gelöscht wird. Die übrigen Pflichten, etwa Rechtsgrundlage und Übermittlungen außerhalb des EWR, stehen weiter unten als Liste. Das gilt für Videonachrichten wie für Bildschirmaufnahmen.

Dieser Leitfaden beschreibt das Recht und ein Produkt, Capme, das wir bauen; er ist keine Rechtsberatung. Für Unternehmen außerhalb der EU passt er nicht, und eine Aufnahme, die Gesundheitsdaten zeigt, braucht eine Folgenabschätzung und mehr als diese Liste. Um Videoüberwachung und private Clips geht es hier nicht, auch nicht um YouTube- oder Vimeo-Videos auf deiner Website; für solche Einbettungen gilt zusätzlich § 25 TDDDG. Die sechs Fragen an Anbieter stehen unten zum Kopieren, die Unterlagen für eine Prüfung im Trust Center von Capme.

Ist eine Videoaufnahme personenbezogen?

Eine Videoaufnahme ist personenbezogen, sobald eine Person darin identifizierbar ist, und wer spricht, ist es immer. Art. 4 Nr. 1 DSGVO erfasst alle Informationen über eine identifizierbare Person, auch über körperliche Merkmale. Gesicht, Stimme und ein Name im Titel zählen also mit. Ein Gesicht im Video ist nicht automatisch ein Datum besonderer Kategorie: Nach Erwägungsgrund 51 sind Lichtbilder nur biometrisch, wenn spezielle technische Mittel eine Person damit identifizieren, und ein Recorder tut das nicht.

Bei der Bildschirmaufnahme liegt das Datenschutzrisiko vor allem im Bildschirm: Eine Freigabe erfasst, was gerade offen war, etwa einen Kundendatensatz oder eine Gehaltsliste.

Was verlangt die DSGVO bei Video-Tools?

Die DSGVO verlangt für Video-Tools fünf Dinge: eine Rechtsgrundlage mit Information, einen AVV, benannte Unterauftragsverarbeiter, eine Grundlage für Übermittlungen und Sicherheit mit Löschdatum. Der meiste Aufwand hängt an einem Satz, Art. 28 Abs. 1 DSGVO: „Erfolgt eine Verarbeitung im Auftrag eines Verantwortlichen, so arbeitet dieser nur mit Auftragsverarbeitern, die hinreichend Garantien dafür bieten, dass geeignete technische und organisatorische Maßnahmen so durchgeführt werden, dass die Verarbeitung im Einklang mit den Anforderungen dieser Verordnung erfolgt und den Schutz der Rechte der betroffenen Person gewährleistet.“ Wie die deutschen Aufsichtsbehörden das auslegen, steht im Kurzpapier Nr. 13 der Datenschutzkonferenz.

  1. Eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 und eine Information nach Art. 13. Was bei Beschäftigten gilt, steht im Leitfaden zur Einwilligung bei Mitarbeitervideos.
  2. Ein AVV für Videonachrichten. Dein Unternehmen ist Verantwortlicher; ein Anbieter, der Aufnahmen in seinem Auftrag verarbeitet, ist Auftragsverarbeiter. Art. 28 Abs. 3 legt fest, was ihr Vertrag enthält, und die Kommission veröffentlicht dafür Standardvertragsklauseln.
  3. Benannte Unterauftragsverarbeiter. Ein Auftragsverarbeiter setzt weitere nur mit deiner Genehmigung ein und meldet Änderungen, damit du widersprechen kannst (Art. 28 Abs. 2 und 4); nach der Stellungnahme 22/2024 des EDSA müssen ihre Namen greifbar sein.
  4. Eine Übermittlungsgrundlage. Daten verlassen den EWR nur nach Kapitel V: mit einem Angemessenheitsbeschluss wie dem Datenschutzrahmen EU-USA oder mit Standardvertragsklauseln und der Prüfung zusätzlicher Maßnahmen. Das Gericht der EU hat den Rahmen im September 2025 bestätigt; über das Rechtsmittel ist Stand November 2026 nicht entschieden.
  5. Sicherheit und ein Ablaufdatum. Art. 32 verlangt Sicherheit, die zum Risiko passt, und jede Aufnahme braucht ein Löschdatum. Die Verarbeitung gehört ins Verzeichnis nach Art. 30.

Wo werden Videos DSGVO-konform gespeichert?

Ein Video landet an einem von drei Orten, und die Liste oben greift an jedem anders. Auf dem Gerät der Person kodiert der Recorder im Browser, kein Anbieter hält das Video, es gibt also keinen Auftragsverarbeiter dafür, aber auch keinen Link, den ein Kollege öffnen kann. Capmes kostenloser Recorder arbeitet so; zum Speichern fragt er nach einer E-Mail-Adresse.

Beim Video-Hosting durch den Anbieter wird die Datei hochgeladen und gestreamt. Erst das macht sie teilbar, und damit greift die ganze Liste: Der Anbieter ist dein Auftragsverarbeiter, sein Video-Host ein Unterauftragsverarbeiter, den du namentlich kennen darfst. In Capmes bezahlten Plänen liegen Aufnahmen bei Bunny Stream in Deutschland und Schweden; die Auslieferung außerhalb der EU läuft über Standardvertragsklauseln.

Im eigenen Speicher schreibt der Recorder in einen S3-kompatiblen Bucket deines Unternehmens, und die Wiedergabe kommt von dort. Für Agenda, Publikum und Audit-Log bleibt der Anbieter Auftragsverarbeiter, und der Satz, den der Einkauf gern hört, dass der Anbieter das Video nie hält, stimmt nur hier. Bei Business und Enterprise läuft nur das Vorschaubild über Capmes Server, und Capme löscht dort ein Objekt nur, wenn ein Mitglied die Aufnahme löscht.

OrtIm BrowserAnbieter hostet, EUEigener Bucket
Rolle des Anbieters fürs VideoKeineAuftragsverarbeiter, Art. 28Auftragsverarbeiter nur für Metadaten
AufbewahrungBis die Person sie löschtAufbewahrungsfrist des PlansDeine Lebenszyklusregel
CapmeFreeSolo, Team, Business und EnterpriseBusiness, Enterprise

Wann muss ein Video gelöscht werden?

Ein Video muss gelöscht werden, sobald sein Zweck erfüllt ist, und früher, wenn die aufgenommene Person ein Recht auf Löschung nach Art. 17 hat, etwa nach dem Widerruf ihrer Einwilligung. Art. 5 Abs. 1 lit. e nennt keine Zahl von Tagen. Dein Unternehmen legt deshalb pro Zweck eine Frist fest, etwa 90 Tage für ein Status-Update, das ein Meeting ersetzt hat, und 180 Tage für ein Video zur Einarbeitung. Jede Frist kommt mit ihrem Grund ins Verzeichnis nach Art. 30.

Löschen muss jede Kopie erreichen, auch die Datei beim Video-Host und jeden Download. Frag den Anbieter, wie lange seine Backups eine gelöschte Datei halten, und leg im eigenen Bucket eine Lebenszyklusregel an. Eine Vorlage zum Übernehmen ist das Löschkonzept für Meetingaufzeichnungen.

Was solltest du einen Anbieter für Videonachrichten fragen?

Schick die Fragen unten an jeden Anbieter auf der Shortlist, auch an Capme, und gleich jede Antwort mit dem Dokument ab, auf das sie sich beruft. Für Rechtsraum und Eigentümer gibt es die vier Fragen im Leitfaden zum souveränen Stack.

Am meisten verrät aus unserer Sicht Frage 3: Ein Anbieter, der sagen kann, wohin eine gelöschte Datei verschwindet, kennt seine eigenen Datenflüsse. Bei Frage 5 redet in Deutschland der Betriebsrat mit; was du mit ihm klärst, steht im Leitfaden zu Betriebsrat und Video-Tools.

Wo Capme steht, auch bei dem, was fehlt

Capme Meetings ist eine Meeting-Plattform für asynchrone Meetings: Der Organisator schreibt die Agenda, und jeder Referent nimmt seinen Punkt über einen Link auf. Zuschauer brauchen keinen bezahlten Platz, und Video liegt im EU-Hosting oder ab Business im eigenen Bucket. Die Antworten:

FrageAntwort von CapmeWo Capme schwächer ist
RollenAuftragsverarbeiter für deinen Workspace; AVV nach den Klauseln der Kommission, per Häkchen angenommen, wenn eine Testphase oder ein Plan beginntGegengezeichnetes PDF nur auf Anfrage
Unterauftragsverarbeiter6, benannt in Anhang IV des AVV; Änderungen dreißig Tage vorher angekündigt (Ziffer 4.7)2 stützen sich auf Standardvertragsklauseln oder den Datenschutzrahmen EU-USA
AufbewahrungTeam: 365 Tage; Solo, Business, Enterprise: 1 bis 365; jede Aufnahme lässt sich behalten, Löschen geht vorTeam kann die Frist nicht verkürzen
WiedergabeOrganisator, Referenten, Publikum, Admins; öffentliche Links aus, bis ein Admin sie einschaltet; nicht gelistet, widerrufbarSolo-Workspaces starten mit eingeschalteten Links
ZuschauerdatenAngesehen, teilweise, geöffnet oder nicht geöffnet, pro Person oder nur als Summen; keine BewertungenPro Person ist voreingestellt
Ausstieg„Video herunterladen“ in der Bibliothek für die Person, die aufgenommen hat; alle Videos als Dateien auf Anfrage, kostenlos; Audit-Log als CSV ab BusinessMetadaten als JSON oder CSV nur auf Anfrage
ZertifikatHetzner und netcup mit ISO 27001; Fragebogen nach CAIQ Lite der CSA auf AnfrageKein eigenes ISO 27001 oder SOC 2; noch kein unabhängiger Penetrationstest

Was ein Admin einstellt, Schritt für Schritt

  1. In einem Team-Workspace ist das Feld zur Aufbewahrung gesperrt: „Team bewahrt jede Aufnahme 12 Monate auf. Business legt das Fenster selbst fest.“ Eine Aufnahme vom 5. Oktober 2026 läuft am 5. Oktober 2027 ab.
  2. In einem Business-Workspace trägt der Admin 30 ein und speichert. Der Bildschirm antwortet „Neue Aufnahmen bleiben 30 Tage. Nichts bereits Aufgenommenes wird verkürzt.“ Eine Aufnahme vom 5. Oktober 2026 läuft dann am 4. November 2026 ab, außer jemand markiert sie zum Behalten.
  3. Unter Öffentliche Links steht der Schalter auf Aus: „Nichts in diesem Workspace lässt sich ohne Anmeldung öffnen.“ Unter Sehfortschritt wählt der Admin Pro Person oder Nur Summen.
  4. Löscht der Inhaber den Workspace, wartet Capme 14 Tage und löscht ihn dann auf den eigenen Hosts und beim Video-Host; Aufnahmen in deinem eigenen Bucket bleiben dort als deine Dateien. Jeder Download aus der Bibliothek steht im Audit-Log.

Nennt deine Richtlinie ISO 27001 oder SOC 2, ist ein Anbieter mit diesem Bericht heute die bessere Wahl. Sonst kann der Datenschutzbeauftragte diese Bildschirme in einer 14-tägigen Testphase von Team prüfen, bevor jemand aufnimmt.

Lies die Unterlagen vor dem Gespräch

Dort liegen AVV, Unterauftragsverarbeiter, Maßnahmen und das Dokument für den Betriebsrat.

Trust Center öffnen

Häufig gestellte Fragen

Dürfen Kundendaten in einer Videonachricht auftauchen?
Nur so viel, wie der Zweck verlangt (Art. 5 Abs. 1 lit. c). Ein Kundendatensatz auf dem Bildschirm ist ein personenbezogenes Datum des Kunden. Schließ also andere Tabs vor der Aufnahme und nimm neu auf, wenn eine Aufnahme mehr zeigt, als der Zuschauer braucht.
Müssen Zuschauer erfahren, dass ihr Sehverhalten erfasst wird?
Ja. Wer ein Video geöffnet und wie weit er es angesehen hat, ist ein personenbezogenes Datum des Zuschauers, also gilt Art. 13. Bei Beschäftigten gehört das in die Datenschutzinformation für Mitarbeiter; in Deutschland redet zudem der Betriebsrat mit.
Brauchen wir für Videonachrichten eine Datenschutz-Folgenabschätzung?
Nicht immer. Nutzungsdaten pro Person über Beschäftigte, Aufnahmen von Kunden oder Gesundheitsdaten auf dem Bildschirm sprechen dafür. Das entscheidet der Datenschutzbeauftragte nach einem Blick auf die Maßnahmen des Anbieters und die Einstellungen zu Zuschauerdaten.
Braucht ein Anbieter ISO 27001, um DSGVO-konform zu sein?
Nein. Art. 28 Abs. 5 DSGVO nennt genehmigte Verhaltensregeln und Zertifizierungen als einen Weg, hinreichende Garantien zu belegen, nicht als den einzigen. Ob AVV und Maßnahmen genügen, entscheidet deine Richtlinie.
Wie bekommen wir unsere Daten heraus, wenn wir Capme nicht mehr nutzen?
Video herunterladen in der Bibliothek speichert jedes Video, das du aufgenommen hast; Capme exportiert alle auf Anfrage kostenlos, und ein Business-Bucket hält sie ohnehin. Gehostete Videos bleiben nach dem Ende eines bezahlten Plans 30 Tage abrufbar. Metadaten gibt es auf Anfrage als JSON oder CSV.